Grußwort der Bürgermeisterin zum Jahresausklang

23.12.2021 Seite drucken

Liebe Bürgerinnen und Bürger,

bis vor Kurzem war das tragende Thema meines Grußwortes zum Jahresende klar: die Bewältigung der Corona-Pandemie, die uns in das mittlerweile dritte Jahr begleiten wird.

Doch mit dem zweiten Adventswochenende stellten sich Fragen, auf die niemand vorbereitet sein konnte. Als ich die Nachricht über eine Familientragödie in Senzig erhielt, konnte ich es zunächst nicht fassen. So geht es mir immer noch und ich bin sicher, dass ich damit nicht allein bin.

Es ist nicht leicht, die Gefühle und Gedanken zu ordnen. Daher ist es umso wichtiger, miteinander zu reden. Deswegen bin ich der Evangelischen Lukas-Kirchengemeinde Senzig auch dankbar, dass sie eine stille und würdevolle Andacht organisierte, an der auch ich teilnahm, um an die Opfer und deren Hinterbliebene zu denken.

Ich danke Pfarrer Boris Witt, dass er seine Kirche geöffnet hat für die Menschen, die sich in ihrem Alltag – ob als Einsatzkräfte der Feuerwehr oder Polizei, als Erzieherinnen und Erzieher, Lehrerinnen und Lehrer, als Nachbarinnen und Nachbarn, Freundinnen und Freunde oder Kolleginnen und Kollegen – mit dieser Tat auseinandersetzen müssen.

Auch die Stadtverwaltung hat Hilfs- und Seelsorgeangebote für die Erzieherinnen, Erzieher und Eltern in den Kitas und Horten organisiert, in denen die Kinder, die Opfer dieser Tragödie sind, betreut wurden. Dafür möchte ich meinen Kolleginnen und Kollegen in den zuständigen Fachämtern herzlich danken.

Liebe Bürgerinnen und Bürger,

eines ist mir im Zusammenhang mit der Tragödie in Senzig sehr wichtig: diese Tat darf nicht instrumentalisiert werden.

Es ist notwendig, uns gemeinsam gegen jede Form von Gewalt zu stellen. Mitgefühl und Rücksichtnahme gegenüber den Hinterbliebenen und Trauernden sind jetzt die richtigen Zeichen. Diese schreckliche Tat fordert von uns allen, dass wir mehr füreinander da sind. Dass wir aufeinander achten und lieber das Gemeinsame suchen anstelle des Trennenden.

Nutzen Sie die Angebote der Telefonseelsorge. Machen Sie in ihrem Umfeld darauf aufmerksam, dass jeder und jede, der Hilfe benötigt, auch Möglichkeiten hat, diese zu bekommen.

Zusammenhalt in der Corona-Pandemie

Die Stärke unserer Stadtgemeinschaft war selten so wichtig wie jetzt. Das zeigt sich auch in der Bewältigung der Corona-Pandemie. In Zeesen rief ein breites Netzwerk binnen weniger Tage eine Impfstelle ins Leben. Hunderte Menschen kamen zu den Impftagen im Gemeindehaus der evangelisch-freikirchlichen Gemeinde. Auch in der Paul-Dinter-Halle konnten wir in Zusammenarbeit mit dem Landkreis und dem Klinikum Dahme-Spreewald ein Impfangebot machen.

Die Pandemie hat auch von uns, der Stadtverwaltung, jede Menge abverlangt. Durch die Verlässlichkeit und Beständigkeit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die ihre Aufgaben und Verantwortung kennen und wahrnehmen, erfüllten sie trotz haushaltslosem Jahr 2020 mit seinen Auswirkungen auf die kommenden Jahre, trotz Ab- und Neuwahl im Bürgermeisteramt, trotz aller Einschränkungen und Belastung durch das Corona-Virus, ihre Aufgaben.

An keinem Tag musste das Rathaus in dieser Zeit schließen.

Obwohl manchmal nicht erkennbar war wohin die Reise geht, haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Kitas, Schulen, beim Städtischen Betriebshof, der Feuerwehr, der Stadtbibliothek, in den Gesellschaften der Stadt sowie in der Kernverwaltung alles gegeben, um die Funktionsfähigkeit unserer Stadt aufrecht zu erhalten. Dies war und ist, bei aller Unterschiedlichkeit, eine Teamleistung, für die ich an dieser Stelle meinen aufrichtigen Dank aussprechen möchte. 

Die Pandemie wird uns auch im kommenden Jahr beschäftigen. Dennoch hoffe ich, dass wir zu möglichst vielen Veranstaltungen einladen und damit besondere Momente in unserer Stadt organisieren können.

Unser Adventsleuchten Mitte des Monats hat uns gezeigt, wie wichtig ein solches Ereignis ist, wie dankbar und freudig Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt ein solches Angebot annehmen.

Einen wesentlichen Anteil daran, unserer Stadt ein leuchtendes Antlitz zu geben, haben natürlich die Kameradinnen und Kameraden unser Feuerwehren mit Unterstützung der Wehr aus Miersdorf. Ihnen ist es nicht nur gelungen, viele Kinderaugen zu leuchten zu bringen. Sie haben durch ihre Routenwahl auch den Zusammenhalt der Ortsteile für unsere schöne Stadt Königs Wusterhausen dokumentiert und in bestes Licht gestellt.

Danke an alle Beteiligten! Diese Veranstaltung lässt ein ereignisreiches Jahr versöhnlich ausklingen.

Ausblick auf 2022

Mit Blick auf 2022 möchte ich das für den 25.6.2022 geplante Stadtfest hervorheben. Derzeit wird das Konzept überarbeitet. Auch wenn wir nicht wissen, was das nächste Jahr an Gestaltungsmöglichkeiten zulassen wird, steht schon jetzt für uns als Verwaltung fest, dass wir alles Mögliche prüfen werden, um eine Feier von Bürgern für Bürger zu ermöglichen. Vereine, Verbände und Initiativen sollen sich beteiligen können.

Von Bürgern für Bürger: Dieses Motto lässt sich auf mein Verständnis von Verwaltungsarbeit übertragen. Ich sehe unsere Verwaltung als Dienstleisterin für die Menschen – sie existiert nicht um ihrer selbst willen.

Der Haushalt für 2022 unterstreicht den Ansatz. Dieser Etat bildet u.a. die Grundlage für Investitionen in Höhe von 25,2 Millionen Euro. Der Schwerpunkt der Investitionsauszahlungen liegt bei Schulen, Kitas und sonstiger Infrastruktur.

Mit einem kurzen Ausblick möchte ich Sie auf das kommende Jahr vorbereiten.

Im Frühjahr 2022 werden die Bauarbeiten zur Instandsetzung der Klappbrücke über den Nottekanal beginnen. Im Zuge dessen wird der gesamte Holzaufbau der Brücke Am Amtsgarten demontiert und durch einen Aufbau in Stahlbauweise ersetzt. Die Kosten haben sich letztlich deutlich erhöht. Das ist ein Zeichen für die Marktlage und damit die damit verbundene Kostensteigerung, unter der alle Bauprojekte derzeit leiden.

Wichtige Bauprojekte

Mit Blick auf den Bahnhof möchte ich den umfassenden und äußerst aufwendigen Umbau der Bahnstrecke inklusive der Unterführung Storkower Straße erwähnen. Hier kommt eine verkehrliche Herausforderung auf uns zu, die nicht leicht wird. Ich freue mich sehr über dieses Millionenprojekt im Herzen unserer Stadt. Denn mit dem Abschluss der Umbaumaßnahmen können wir dann auf einen attraktives Bahnhofsumfeld blicken, wovon alle in unserer Stadt profitieren. Jedoch möchte ich schon jetzt bei Ihnen um Verständnis werben, wenn es sowohl im Straßen- als auch im Bahnverkehr erst einmal zu maßgeblichen Einschränkungen kommen wird.

Weiter begleiten wird uns das Fahrradparkhaus am Bahnhof. Die zugegeben schwierigen Absprachen mit der Deutschen Bahn haben dieses wichtige Projekt zeitlich ins Hintertreffen geraten lassen. Dennoch bin ich zuversichtlich, dass wir 2022 mit dem Bau beginnen können.

Besonders froh bin ich, dass wir bei der Lösung der Standortfrage für die neue Hauptfeuerwache im Königspark einen wichtigen Schritt nach vorn machen gemacht haben. Viele konstruktive, teils intensive und leidenschaftliche Debatten liegen hinter uns. Ich bin überzeugt, dass wir mit dem nun favorisierten Modell eine Variante gefunden haben, die das Bauen dieser Hauptfeuerwache kostengünstiger und schneller möglich machen wird. Diese Lösung wurde gemeinsam mit den Kameradinnen und Kameraden in konstruktiven Gesprächen gefunden. Ihnen und allen Akteuren danke ich für die Mitwirkung und vor allem wünsche ich unseren Kameradinnen und Kameraden, dass sie nun so schnell wie möglich in ihr neues Domizil einziehen können.

Rückblick - Modernes Wohnen, Schulneubau und Verkehrsentlastung

Nachdem ich nun einige Schlaglichter auf das kommende Jahr geworfen habe, möchte ich mit Ihnen noch zurückblicken auf 2021.

Mit dem symbolischen ersten Spatenstich haben wir den Start für das Großprojekt „Wohnen am Nottekanal“ gegeben. Auf dem etwa drei Hektar großen Areal zwischen Am Amtsgarten und Scheederstraße sollen bis August 2024 insgesamt 177 Wohnungen im guten Wohnungsmix entstehen.

In Zeesen haben wir die Grundsteinlegung für die neue Grundschule feiern können. Nach der Fertigstellung stehen den Schülerinnen und Schülern sowie Lehrerinnen und Lehrern 18 Klassenräume, fünf Fachkabinette sowie sechs Gruppenräume und ein Verwaltungsteil zur Verfügung. Außerdem wird eine weitere Sporthalle errichtet.

Deutlich digitaler sind wir beim Bezahlen der Parkscheine geworden. Seit Kurzem können Sie das Ticket auch online über eine Plattform bezahlen. Das Suchen nach Kleingeld entfällt damit. Wer immer eine Münze dabei hat, kann aber auch weiter damit zahlen.

Die Digitalisierung hält nicht nur bei der Parkraumbewirtschaftung Einzug, sondern auch in den Schulen. Wir haben in diesem Jahr hunderte Laptops für Schülerinnen und Schüler gekauft. Die Schul-Clouds wurden ins Leben gerufen. Diese Investition in die Lerninfrastruktur war überfällig – das hat die Corona-Pandemie nun deutlich gezeigt. Wir sind zwar noch nicht da, wo wir sein sollten, aber wir haben den richtigen Weg beschritten und werden die Digitalisierung im kommenden Jahr mit Engagement und Fokus weiter vorantreiben.

Eine Entlastung für den Ortsteil Niederlehme ist die neue Ortsumgehung als Teil der L 30. Auch wenn wir hier nicht federführend bei der Umsetzung waren, so bin ich froh, dass dieses Projekt geglückt ist. Die neue Straße ist eine wichtige Verbindung – auch für das umliegende Gewerbe.

Die verkehrliche Infrastruktur ist ein maßgeblicher Faktor für Firmen, wenn sie über eine Ansiedlung nachdenken. Deswegen ist die Vermarktung des Technologieparks auf dem Funkerberg auch erfolgreich. Ein Beispiel dafür ist die Grundsteinlegung der GEMTEC AG in der Mária-Telkes-Straße. Die Firma bleibt ihrem bisherigen Sitz am Möllenberg treu und erweitert sich nun in Königs Wusterhausen – ein Bekenntnis zu unserer Stadt, das hoffentlich auch Strahlkraft auf andere Unternehmen ausübt.

Abschließend erlaube ich mir noch einige persönliche Worte an Sie.

Ein knappes halbes Jahr als Bürgermeisterin unserer Stadt liegen nun hinter mir. Die Erfahrungen, die ich bisher gemacht habe, könnten vielfältiger kaum sein. Manchmal komme ich kaum zum Durchatmen. Aber ich kann Ihnen sagen: Ich habe meine Entscheidung, mich zur Wahl gestellt zu haben, an keinem Tag bereut.

Die Chance, eine der dynamischsten Regionen Deutschlands mit zu gestalten und hierfür nötige Grundlagen zu schaffen, macht dieses Amt so spannend. Durch die Inbetriebnahme des Flughafens Berlin Brandenburg wird dieser Spannungsbogen weiter aufgebaut.

Gemeinsam für unsere Stadt

Mit unserer Verwaltung sowie den engagierten Ortsvertreterinnen und -vertretern und Stadtakteuren im Rücken, können wir unser Königs Wusterhausen weiter als eine moderne Stadt wachsen lassen, ohne die eigene Geschichte und die der Ortsteile zu vernachlässigen.

Mir ist klar, dass es nicht immer leicht sein wird. Das war es im Übrigen auch bisher nicht. Alles hat seine zwei Seiten.

Dazu fällt wir ein Gedicht von Wilhelm Busch ein:

„Fortuna lächelt, doch sie mag nur ungern voll beglücken;

Schenkt sie uns einen Sommertag, so schenkt sie uns auch Mücken.“

Es geht darum, das mit dem Wachstum einhergehende Potential so optimal wie möglich für unsere Stadt zu nutzen.

Aber letztlich müssen wir alle ein großes Ziel verfolgen: Königs Wusterhausen fit für die Zukunft zu machen. Daran möchte ich gemeinsam mit Ihnen, den Stadtverordneten, Ortsbeiräten sowie den Kolleginnen und Kollegen der Verwaltung gerne und unbedingt weiterarbeiten.

Ich bedanke mich auch für die Unterstützung der ehrenamtlichen Gremien aus Sport, Kultur und Wirtschaft aber auch aus dem Landkreis und der Region.

Das Coronavirus ist noch allgegenwärtig. Vor diesem Hintergrund kann ich nur alle aufrufen, persönlich das Mögliche zu tun, damit sich die Pandemielage entspannt und letztlich beendet werden kann.  Ich danke den Menschen in den medizinischen und pflegenden Berufen. Ihnen gebührt unser Dank und größter Respekt, denn sie mussten auch in diesem Jahr einem riesigen Druck standhalten. Gleiches gilt für Lehrerinnen und Lehrer sowie Erzieherinnen und Erziehern in unseren Schulen und Kindertagesstätten.

Ich wünsche Ihnen, liebe Bürgerinnen und Bürger, trotz aller Entbehrungen ein besinnliches und erholsames Weihnachtsfest. Erinnern Sie sich an die schönen Momente, denken Sie an diejenigen, die nicht bei Ihnen sein können und sammeln Sie Kraft für das Kommende. Und nehmen Sie meine besten Wünsche für Sie und Ihre Angehörigen mit in das neue Jahr 2022!

Viele Grüße aus dem Rathaus.

 

Ihre

Michaela Wiezorek