Negative Auswirkungen der Flugroutenvorschläge der DFS für Königs Wusterhausen und die Ortsteile

13.01.2015 Seite drucken

Die neuen Flugroutenvorschläge, die die Deutsche Flugsicherung (DFS) den Mitgliedern der Fluglärmkommission in ihrer Sitzung am 04.07.2011 vorstellte, sind aus Sicht der Stadt mit großen absehbaren Belastungen für Königs Wusterhausen verbunden.

Die Varianten vom 06.09.2010 sahen bei Starts nach Osten und Abknicken in die Hauptrichtung (Süd-)West einen massiven Überflug der Ortsteile Wernsdorf, Kablow, Senzig und Zeesen vor. Auf Initiative der Stadt Königs Wusterhausen forderten neun Bürgermeister des Nordkreises die Rückkehr zur Verbindlichkeit der Startverfahren aus dem Planfeststellungsverfahren. In einer Demonstration am 05.11.2010 vor dem Jagdschloss, zu der auch Ministerpräsident Matthias Platzeck gekommen war, protestierten die Bürgerinnen und Bürger der betroffenen Gemeinden gegen die Belastungen durch die damals geplanten
Flugrouten.

Nach neunmonatiger Arbeit der Fluglärmkommission, in der die Stadt Königs Wusterhausen eines von nunmehr 40  stimmberechtigten Mitgliedern ist, legte die DFS am vergangenen Montag neue Flugroutenvarianten vor. Aus Sicht der Stadt, sind diese jedoch nicht zufriedenstellend, da die neuen Routen für Königs Wusterhausen und seine Ortsteile erhebliche negative Auswirkungen haben werden.

Seit dem 06.09.2010 konnte zwar noch größeres Übel wie der Direktüberflug von Deutsch Wusterhausen und  Neu-Diepensee (Erstversion der Hoffmann-Kurve) sowie der am Krüpelsee gelegenen Ortsteile und Zeesens (durch Versetzen der Oststarts) verhindert werden. Auch wird im Anflugverfahren die Stadt komplett umflogen.

Dies wiegt jedoch die verheerende Neubelastung der durch Berlin, Zeuthen und Erkner eingebrachte Doppelkurve über Wildau und Königs Wusterhausen nicht auf. Die geplante Überflughöhe des A-10-Centers wird von der DFS mit 4.500 bis 5.000 Fuß (1.640 m) angegeben. Die avisierten 107 Maschinen mit Zielen im Osten folgen dann der Autobahn A10 bis zu ihrer Kursfreigabe in noch nicht festgelegter Flughöhe (5.000 bis 8.000 Fuß).

Auch bei Starts nach Westen (zwei Drittel des Jahres) wird es voraussichtlich einen Überflug (ca. 5.000 Fuß) an der Schnittstelle zwischen Zeesen und Bestensee geben, wenn die Maschinen nicht vorher auffächern.

Im nächsten Verfahrensschritt reicht die DFS die Flugroutenvorschläge dem Bundesaufsichtsamt zur Prüfung und Genehmigung ein. Ab September 2011 werden Sie dann der Fluglärmkommission zur Information vorgelegt.

Königs Wusterhausen setzt seit Oktober 2010 auf die zumindest teilweise Rückkehr zu längeren Geradeausabflugverfahren auf der Südbahn nach Osten. Eine Sicherheitsstudie, die das Land Brandenburg in Auftrag geben wird, bereitet die dafür notwendige Ausnahmegenehmigung vor. Bürgermeister Dr. Lutz Franzke ist Mitglied der Arbeitsgruppe für diese Variante. Die Landesregierung hat die Finanzierung zugesichert.

Die umfangreiche Studie wird jedoch voraussichtlich erst im September 2012 fertig gestellt und dann in der Fluglärmkommission bewertet. Bei Zustimmung der Kommission und einem notwendigen Auffächern in größerer Höhe (über 5.000 ft) hinter Schmöckwitz kann aus Königs-Wusterhausener Sicht die Doppelkurve über dem Stadtgebiet entfallen.

Aktuell hat sich die Stadt an die Verkehrsministerien des Bundes und des Landes gewandt, damit absehbare Mehrfachbelastungen durch Flug-, Bahn- und Eisenbahnlärm verringert werden können. Dies betrifft vor allem Lärmschutzbauten entlang der Bahntrasse Berlin- Cottbus und an der A10 vom Schönefelder Kreuz bis zum Kreuz Spreeau. Hierfür sowie für die frühestmögliche Durchführung des vom Bundesverkehrsminister angekündigten „Stresstests“ (Studie zur Realbelastung nach Inbetriebnahme von BER) bereits nach drei Monaten warb der Bürgermeister in dieser Woche bei der Beratung mit Bundesstaatssekretär Klaus-Dieter Scheurle.

Parallel prüft die Stadt alle rechtlichen Möglichkeiten der Einflussnahme, z. B. wegen Verletzung von Grundlagen des Diepensee-Vertrages.

Die Grundsatzposition der Stadt gegen die Aufweichung des Nachtflugverbotes ist bereits über Abstimmungen im Stadtrat und in der Fluglärmkommission gesichert.

Bürgermeister Dr. Lutz Franzke betrachtet die vorgestellten Vorschläge der DFS als ein nicht dauerhaftes Zwischenergebnis: "Unser Ziel ist und bleibt es, dass über Königs Wusterhausen keine stark belastenden Überflüge stattfinden, so wie es uns im Planfeststellungsverfahren kommuniziert wurde."

 

Näheres zu den neuen Flugroutenvorschlägen finden Sie auf der Webseite der Deutschen Flugsicherung (DFS).