Königs Wusterhausen blickt auf 100 Jahre Rundfunkgeschichte – Besondere Radiosendung am 22. Dezember

22.12.2020 Seite drucken

„Hallo, hallo, hier Königs Wusterhausen auf Welle 2700“: diese Worte vom 22.12.1920 sind weltbekannt und zeugen vom Königs Wusterhausener Pioniergeist. Damals wurde vom Funkerberg aus die erste Radiosendung Deutschlands in alle Welt gesendet. Genau 100 Jahre später, am 22.12.2020, wurde dieser besondere Tag für Königs Wusterhausen und darüber hinaus gefeiert – wenn auch nur eingeschränkt.

Der Förderverein „Sender Königs Wusterhausen“ e.V. hatte sich ein spezielles Programm ausgedacht. Um 14 Uhr wurde zur historisch korrekten Zeit wieder eine Hörfunksendung aus Königs Wusterhausen übertragen. Erstmalig kam dabei eine neue, historisch korrekte Rekonstruktion des Sendebeginns von 1920 zum Einsatz, wie der Verein erklärt.

Die Sendung nahm inhaltlich Bezug auf das erste Weihnachtskonzert von 1920 und bestand aus gesprochenem Wort und original gespielter damaliger Musik. Es wurde erzählt, wie Königs Wusterhausen zur Wiege des Rundfunks wurde. Die Hörerinnen und Hörer erfuhren von Edith Bach, die als „Nachtigall von Königs Wusterhausen“ im Rundfunk der 20iger Jahre Berühmtheit erlangte. Und es gab einen Blick auf die Wirkung des Mediums Radio in den 100 Jahren seines Bestehens.

„Die Geschichte Königs Wusterhausens ist nicht nur eng mit dem Soldatenkönig und seinem hiesigen Schloss verbunden. Auch die Rundfunkgeschichte macht unsere Stadt weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Dabei hilft der Beiname ,Rundfunkstadt‘, den wir uns 2009 mit breiter politischer Unterstützung offiziell gegeben haben. Heute nehmen wir uns die Zeit, an die Erfinder von damals zu denken und ihre Leistung zu würdigen“, sagt Bürgermeister Swen Ennullat, der den Mitgliedern des Fördervereins für ihr Engagement dankte. „Sie pflegen das Andenken an diesen Teil unserer Stadtgeschichte mit aller Hingabe – nicht nur in diesem Jubiläumsjahr. Diese ehrenamtliche Leistung ist bewundernswert.“

Es waren Beamte der Reichspost, die im Frühjahr 1920 mit einem Lichtbogensender Versuche zur Übertragung von Sprache und Musik vornahmen. Das Ergebnis war das Weihnachtskonzert vom 22.12., das vor allem im Ausland zahlreiche Zuhörer fand. In Deutschland war zu diesem Zeitpunkt das Abhören der Funkwellen verboten.

Anfänglich in Politik und Gesellschaft durchaus umstritten, begann der Rundfunk in Deutschland mit diesem Weihnachtskonzert seinen Siegeszug. Als 1923 mit der Sendung aus dem Berliner Vox Haus der Rundfunk offiziell seinen Sendebetrieb aufnahm, war Königs Wusterhausen als Rundfunksender bereits europaweit bekannt.

Heute erzählt das Sender- und Funktechnikmuseum auf dem Funkerberg diese wechselvolle Geschichte des Rundfunks in der größten Stadt des Landkreises Dahme-Spreewald.

Der 22.12.1920 ist ein Meilenstein in der Technikgeschichte. Der internationale Verband für Elektrotechnik „Institute of Electrical and Electronics Engineers“ (IEEE) würdigte die Leistung der Königs Wusterhausener Rundfunkpioniere mit der Verleihung des Titels „IEEE Milestone“, der als technisches Pendant zum Nobelpreis gilt.

Mit seinem Meilensteinen ehrt der Verband herausragende Entwicklungen und Erfindungen im Bereich der Elektro- und Informationstechnik. Der Förderverein „Sender Königs Wusterhausen“ e.V. hatte sich zusammen mit der deutschen Sektion des IEEE um die Anerkennung des denkwürdigen Ereignisses  Funkerberg bemüht. 2015 fiel schließlich die Entscheidung zugunsten der Stadt Königs Wusterhausen.

Am 16.07.2016 wurde in einer feierlichen Zeremonie im Maschinensaal des Senderhauses 1 in Anwesenheit zahlreicher internationaler Gäste eine Gedenktafel enthüllt. Mit der Aufnahme in den Kreis von weltweit rund 180 Meilensteinen der Technikgeschichte erfährt Königs Wusterhausen eine Anerkennung, die weit über Europa hinausreicht.