Neue Infotafeln ordnen Historie des  Schütte-Lanz-Gewerbeparks ein

    Die Enthüllung der Schütte-Lanz-Infotafeln fand Anfang Juli statt. Mit dabei waren (v.l.n.r.) Vorsitzende der Stadtverordnetenversammlung Laura Lazarus, Ortbeiratsvorsitzender von Zeesen Uwe Friedrich, Denny Hafemann, Peter Dietrich, Bürgermeisterin Michaela Wiezorek und Hans Rentmeister.

    Es ist gelungen. In der Stadt Königs Wusterhausen kann ein weiterer historischer Ort öffentlich benannt werden. Nach Jahren akribischer Detailarbeit und Forschung sind jetzt vier Tafeln aufgestellt und enthüllt worden. Für jeden sichtbar wird darauf in den Sprachen Deutsch und Englisch über die Geschichte der Schütte-Lanz-Werft Zeesen informiert und anderen nachfolgend auf dem Gelände des heutigen Schütte-Lanz-Gewerbegebiets vorhandenen Unternehmen und Ausbildungseinrichtungen.

    Bürgermeisterin Michaela Wiezorek zeigte sich erfreut, dass es nach Jahren der Diskussion nun gelungen ist, die unterschiedlichen Aspekte und Bewertungen der Person Johann Schütte einzuordnen. Konkret geht es um den Zwiespalt zwischen seinem Engagement für die Luftschiffwerft Zeesen und sein Handeln in der Zeit des Nationalsozialismus. Wiezorek dankte denen, die das Projekt inhaltlich begleitet haben. Konkret nannte sie Peter und Berthild Dietrich, Denny Hafemann und Hans Rentmeister.  

    Hans Rentmeister benannte auch Frank Rauhut, der sich als Mitstreiter des „Bündnis gegen Rechts“ für die Aufarbeitung dieses Kapitels der Zeesener Ortsgeschichte stark gemacht hatte. Buchautor Denny Hafemann begrüßte bei der Enthüllung, dass alle Aspekte der über einhundertjährigen Geschichte des Geländes auf den Tafeln dargestellt werden. Hafemann beschäftigt sich mit der Industrie- und Militärgeschichte Zeesens und hat ein Buch zur Schütte-Lanz-Werft und den nachfolgenden Unternehmungen veröffentlicht.

    Hintergrund: 

    Seit Jahren wird in der Stadt Königs Wusterhausen über die Namen Schütte-Lanz-Gewerbepark und Schütte-Lanz-Straße diskutiert. Wobei vor allem der 1940 verstorbene Unternehmer und Luftschiffkonstrukteur in der Kritik steht. Johann Schütte hatte finanziell unterstützt vom Industriellen Karl Lanz (1873 bis 1921) am heutigen Gewerbestandort in Zeesen militärische Luftschiffe und Flugzeuge gebaut. Im Ersten Weltkrieg kamen sie unter anderem bei Angriffen auf zivile Ziele zum Einsatz. Ab 1919 versuchten sich die „Schütte-Lanz-Luftschiffwerft Zeesen“ mit der Entwicklung und Herstellung ziviler Güter, wie Kleinautomobile, Möbel, Öfen und Booten. Ohne Erfolg – im März 1925 wurde das Unternehmen liquidiert.

    Hier hätte die Geschichte enden können, aber Johann Schütte blieb dem Nationalismus treu. Nach Einschätzung heutiger Historiker gilt er als Unterstützer der NS-Herrschaft, selbst wenn er wohl kein NSDAP-Mitglied war.

    Nach dem Ende der Schütte-Lanz-Werft erlebte das Gelände unterschiedliche Nachnutzungen. Zwischen 1926 und 1935 wurden hier Landwirte an Landwirtschaftsmaschinen geschult und konnten einen Traktorführerschein erwerben. Von 1935 bis 1945 wurden an diesem Ort „Postschutzsoldaten“ im Schießen und Verteidigungstaktik ausgebildet, seit Mai 1942 war der Postschutz direkt der Waffen-SS unterstellt. Ab 1945 war die sowjetische Armee auf dem Gelände aktiv. Hier befand sich ein Kfz-Instandsetzungswerk, in dem ab 1966 der Kleinbus „Progress“ hergestellt wurde. Nach dem Abzug der Armee war das Werk seit 1994 geschlossen. Das Gelände verfiel, bis im Jahr 2013 das letzte Gebäude des ehemaligen Werkes abgerissen wurde.

    Heute befindet sich auf der Fläche das Schütte-Lanz-Gewerbegebiet. Hier haben sich unter anderem Firmen wie pedag Schelchen GmbH, Karl Weiss Ingenieurtief- und Rohrleitungsbau, verschiedene Autohäuser und Niclas Hein Kälteanlagen-Klima- und Regelungstechnik angesiedelt.

    Verantwortlich für die Redaktion: Katrin Kunipatz