Von wegen Chaos KITA -wie ein skeptischer Vater eines Besseren belehrt wurde
Wenn Brandenburger Kitas das gewohnte Gruppenkonzept auflösen und die Kinder frei entscheiden lassen, wo sie spielen, schrillen bei vielen Eltern die Alarmglocken. Wie soll das z.B. bei 120 Kindern ohne Chaos klappen? Eric Stegemann, Familienvater aus Königs Wusterhausen, ging es nicht anders. Als die Kita „Spatzennest“ zum offenen Konzept wechselte, war er zunächst sehr skeptisch. Geplagt von Bedenken und Sorgen fasste er den Entschluss, sich das Ganze einmal vor Ort anzuschauen. Bei seiner persönlichen Hospitation in der Kita „Spatzennest“ erlebte er dann eine Überraschung.
Vertrauen statt Zwang
Lernen die Kinder überhaupt noch etwas, wenn sie nicht mehr am Tisch sitzen müssen? Eric Stegemann stellte fest, dass die Fachkräfte gezielt auf die Interessen der Kinder setzen. Sein Fazit nach dem Tag lautet, dass mehr auf die pädagogischen Kompetenzen vertraut werden sollte. Wer ungern schneidet oder malt, wird eben mit einem knalligen Feuerwehrauto oder einem kunterbunten Einhorn zum Mitmachen angeregt.
Aktive Mitwirkung statt Chaos
Hinter den Kulissen regieren klare Strukturen, die gelebte Partizipationsrechte und Sicherheit vereinen. Kinder wirken bei der Anmeldung und Anwesenheit aktiv mit, indem sie ihr Bild anpinnen. Beim Betreten des Kinderrestaurants werfen sie ihr Foto eigenständig in einen Korb. Diese aktive Mitbestimmung fördert die Selbstständigkeit im Alltag. Die Absprachen des Teams laufen koordiniert im Hintergrund. Die genutzten Funkgeräte betrachtet Eric Stegemann als Zugewinn für einen geregelten Ablauf. Als Kinder auf dem Weg zum Essen heimlich zur großen Rutsche abbiegen wollten, flog das dank des vernetzten Teams innerhalb von Minuten auf.
Die Großen ziehen die Kleinen mit
Ein weiterer Vorteil des offenen Konzepts ist der flexible Einsatz der Fachkräfte. Besonders bei Personalausfällen kann das Team schnell und raumübergreifend agieren. Entgegen der Befürchtung, dass jüngere Kinder dabei im Trubel untergehen, beobachtete Eric Stegemann ein harmonisches Miteinander im Alltag. Die älteren Kinder nehmen Rücksicht, während die Jüngeren sich spürbar an den Großen orientieren.
Fotos: Stadt Königs Wusterhausen
Fazit
Der Tag in der Kita „Spatzennest“ konnte die Bedenken des besorgten Vaters zerstreuen. Eric Stegemanns Befürchtungen sind nicht eingetroffen. Im Gegenteil, seinen dreijährigen Sohn sieht er dort sogar bestens aufgehoben. Skeptischen Eltern rät er dringend, sich selbst ein Bild vor Ort zu machen. „Es lohnt allemal, das live zu sehen.“
