Aktionstag am 22. Juni 2026
Königs Wusterhausen unterstützt „Kommunen am Limit“
Rathausmitarbeiter*innen beteiligen sich an der Aktion "KOMMUNEN AM LIMIT", zu der unter anderem der Städte- und Gemeindebund Brandenburg aufgerufen hatte.
Fotos: Stadt Königs Wusterhausen
Am 22. Juni zeigen Kommunen in ganz Deutschland beim Aktionstag „KOMMUNEN AM LIMIT", was auf dem Spiel steht, wenn Städte und Gemeinden finanziell nicht mehr in der Lage sind, die ihnen übertragenen Aufgaben zu erfüllen. Die Bundesverbände Deutscher Städte- und Gemeindebund, Deutscher Städtetag und Deutscher Landkreistag haben Kommunen in ganz Deutschland aufgerufen, am Aktionstag auf ihre Situation aufmerksam zu machen. Bürgermeisterin Michaela Wiezorek unterstützt den Aufruf: „Bund und Land übertragen den Kommunen immer mehr Aufgaben – ohne den nötigen finanziellen Ausgleich. Gleichzeitig werden bestehende Leistungen gekürzt."
In der größten Stadt des Landkreises Dahme-Spreewald ist das längst keine abstrakte Debatte mehr. Wachstum braucht Investitionen. Doch genau die fehlen.
An der Gesamtschule Otto Lilienthal werden heute sechs Klassen pro Jahrgang unterrichtet, eigentlich bräuchte die Schule Platz für acht Klassen. Ein zusätzliches Schulgebäude und eine große Sporthalle würden rund 35 Millionen Euro kosten – Geld, das aktuell nicht da ist. Auch der geplante Schulcampus Niederlehme, mit rund 35 Millionen Euro veranschlagt, kann derzeit nicht finanziert werden. An der Grundschule Wilhelm Busch fehlt eine eigene Sporthalle für den Sportunterricht, die am Abend durch Vereine genutzt werden könnte.
Beim Erhalt städtischer Gebäude zeigt sich das Problem ebenso deutlich. Reparaturen werden aufgeschoben und der bauliche Zustand verschlechtert sich. Was heute mit einer Sanierung zu retten wäre, kostet morgen einen teuren Abriss und Neubau. Steganlagen am Nottekanal und am Luch müssten komplett erneuert werden – nicht mehr nur die Holzbeläge, sondern auch der Unterbau. Auch dafür fehlt derzeit das Geld.
Spürbar wird die Lage auch im Stadtbild: Neun Straßen in Königs Wusterhausen und den Ortsteilen hätten längst saniert bzw. neu gebaut werden sollen. Anlieger und Autofahrer müssen nun noch länger warten, bis Sandpisten oder Holperpflaster ausgetauscht werden können. Spielplätze warten auf neue Geräte. Sechs Friedhöfe haben keine Toiletten.
Auch beim Personal zeigt sich die Lage: Eine Stelle im Sachgebiet Liegenschaften ist derzeit gesperrt. Deshalb verzögert sich die Einführung des digitalen Liegenschaftskatasters und die Verwaltung muss weiter mit Papierakten arbeiten, statt digital schneller zu sein. An den Schulen fehlen dringend weitere Schulsozialarbeiter*innen.
Auch bei der Stadtentwicklung wird gebremst: Konzepte für Klimaschutz und Gewerbeflächen, die eigentlich die Grundlage für künftige Investitionen wären, konnten aus finanziellen Gründen nicht ausgeschrieben werden. Wenn die Stadt attraktive Grundstücke nicht kaufen und entwickeln kann, verliert sie langfristig die Möglichkeit, ihre eigene Entwicklung zu steuern.
Auch das Vereinsleben ist betroffen. Das Stadtfest fand letztmals 2022 statt und ist derzeit nicht finanzierbar. Osterschlossfest und Citykinderfest gibt es nur noch dank finanzkräftiger Spender und Sponsoren. Sport-, Jugend- und Sozialvereine erhalten weniger Unterstützung über die Sozialförderrichtlinie.
Die 17,5 Millionen Euro, die Königs Wusterhausen aus dem Sondervermögen des Bundes erhält, helfen – reichen aber bei Weitem nicht aus, um den Investitionsstau aufzulösen, der sich allein bei den genannten Schulprojekten auf wenigstens 70 Millionen Euro summiert.
Um auf diese Situation aufmerksam zu machen, kamen am Montag, 22. Juni 2026, vor dem Rathaus Königs Wusterhausen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie Stadtverordnete zusammen. Auch in der Stadtbibliothek, im Strandbad, in einem Hort, im Bürgertreff Fontaneplatz und an der Hauptfeuerwache wurde die Aktion sichtbar.
Die Bürgermeisterin der Stadt Königs Wusterhausen fordert: „Wer Kommunen Aufgaben überträgt, muss sie auch finanzieren. Sonst tragen am Ende Bürgerinnen und Bürger die Folgen – durch weniger Angebote, längere Wartezeiten und ein Stadtbild, das nicht mehr mithalten kann mit dem Wachstum der Stadt.“
