Gedenken an die Befreiung des KZ-Außenlagers in Königs Wusterhausen

Bürgermeisterin: Erinnern heißt Verantwortung übernehmen

Mit der Aktion „Remember“ bringt der Landesjugendring Brandenburg seit einigen Jahren Orte von NS-Verbrechen in Erinnerung.

Jedes Jahr wird die Gruppe der Menschen größer, die in Königs Wusterhausen anlässlich des Tages der Befreiung des KZ-Außenlagers an den Gedenktafeln in der Storkower Straße zusammenkommt. Unter ihnen waren am Montag, 27. April, wieder viele Jugendliche der zehnten Klassen der Otto-Lilienthal-Gesamtschule, aber auch Stadtverordnete verschiedener Fraktionen, Mitglieder des Kreissportbundes, der jüdischen Gemeinde Königs Wusterhausen, Kreistagsmitglieder sowie Bürgerinnen und Bürger. 

In ihrer Ansprache wandte sich Bürgermeisterin Michaela Wiezorek direkt an die Jugendlichen: „Beim Erinnern geht es um die Verantwortung für das Hier und Jetzt, für die Zukunft. Unser Kompass ist die Menschenwürde, die in der UN-Charta der Menschenrechte 1948 festgeschrieben wurde.  Und nur im Frieden haben wir die Chance Katastrophen wie den menschenverachtenden Nationalsozialismus in Zukunft zu verhindern.“

Thomas Thiele vom Stadtjugendring sagte angesichts des Jahrestages: „Keiner wirft uns Schuld vor. Schuld ist etwas Individuelles. Wir müssen uns daran erinnern, wie es dazu kommen konnte.“ Er forderte die Jugendlichen auf: „Bleibt misstrauisch, zweifelt, forscht und hinterfragt, wenn jemand beginnt Unterschiede zu machen. Kein Mensch ist mehr wert als ein anderer und jeder Mensch hat ein Recht auf sein Menschsein.“

Wie Menschlichkeit wirkt, legte Arkadi Schwarz von der jüdischen Gemeinde Königs Wusterhausen dar. Er berichtete wie ein Pfarrer und mit ihm ein ganzer Ort gemeinsam geschwiegen hatte, um jüdischen Kindern in Frankreich das Überleben während der NS-Diktatur zu ermöglichen.

Von einer unerwarteten Neuigkeit berichtete Günter David. Er betreut ehrenamtlich die Internetseite www.menschen-geschichten.de. Im vergangenen Jahr meldete sich die Nachfahrin des Holocaustüberlebenden George Torrey. Er war als Kind – unter seinem Geburtsnamen Terkeltaub – zusammen mit seiner Mutter für kurze Zeit im Februar 1945 im Lager in Königs Wusterhausen. David traf sich im Sommer 2025 mit der Tochter Adrienne Torrey sowie deren Mann und Tochter in Königs Wusterhausen. Thomas Thiele und die Schülerin Johanna Steinhäuser waren ebenfalls dabei. Die Familie verfolgte den Weg, den ihr Vater und Großvater als Kind aus dem Ghetto Lodz, ins KZ nach Ravensbrück, ins KZ-Außenlager nach Königs Wusterhausen und schließlich ins KZ Sachsenhausen durchlebte, bis er an der letzten Station die Befreiung durch die Rote Armee erlebte. Günter David verlass einen Brief des in den USA lebenden Georg Torrey: „Ich mach die jungen Deutschen von heute nicht für die Verbrechen der Nazis verantwortlich, aber sie sollen die Geschichte kennenlernen, sie sollen nicht schweigen, sondern wachsam sein.“  

Anschließend wurden Kränze und Blumen an den Gedenktafeln niedergelegt. Jugendliche und der Stadtjugendring Königs Wusterhausen kennzeichneten das Gelände des ehemaligen KZ-Außenlagers im Rahmen einer Gedenkveranstaltung mit einem weißen Band. „Remember“ war darauf gedruckt. Mit der Aktion „Remember“ bringt der Landesjugendring Brandenburg seit einigen Jahren Orte von NS-Verbrechen in Erinnerung.