Literarisches Quartett mit lebhafter Diskussion auf dem Podium
Auf dem Podium diskutierten (v.l.n.r.) Bürgermeisterin Michaela Wiezorek, die stellvertretende Bibliotheksleiterin Jeniffer Stuckas, der Deutschlehrer im Ruhestand Heinz Wolpert und der Fotograf Stefan Anker.
Stadt Königs Wusterhausen
Bücher vorstellen, ins Gespräch kommen und vielleicht sogar ein bisschen streiten – darum geht es bei der beliebten Veranstaltungsreihe „Literarisches Quartett“. Am 24. April fand sie bereits zum dritten Mal statt, wieder organisiert vom Kulturbund Dahme-Spreewald e. V. Im ausverkauftem Bürgerhaus Hanns Eisler präsentierten die vier festen Mitglieder des Quartetts – Bürgermeisterin Michaela Wiezorek, Jeniffer Stuckas, stellvertretende Leiterin der Stadtbibliothek Königs Wusterhausen, Heinz Wolpert, Deutschlehrer im Ruhestand und Leiter des Literaturkreises Zeuthen, sowie Stefan Anker, Fotograf aus Zernsdorf – die von ihnen ausgewählten Bücher. Stefan Anker, der die Moderation des Abends übernahm, stimmte das Publikum zur Begrüßung gleich auf einen durchaus kontroversen Abend ein. „Wir haben nach dem letzten Mal das Feedback bekommen, das alles immer sehr harmonisch war. Deshalb haben wir dieses Mal sehr unterschiedliche und polarisierende Romane ausgewählt“, erklärte Anker.
Den Anfang machte Jeniffer Stuckas mit dem Roman „Die Wut, die bleibt“ von Mareike Fallwickl. Stuckas rezitierte die erste Seite des Romans, die in den Suizid der Mutter gipfelt und den Leser bereits zu Beginn des Buches auf sprachliche Weise überwältigt. Bei den Mitgliedern des Quartetts rief der beeindruckende Roman aufgrund seiner Radikalität aber ein geteiltes Echo hervor.
Mehr Einigkeit herrschte dagegen bei dem zweiten, von Heinz Wolpert vorgestellten Buch. Engagiert versuchte Wolpert, seinen Kollegen Jonas Lüschers „Verzauberte Vorbestimmung“ schmackhaft zu machen. Ausgezeichnet mit dem Wilhelm-Raabe-Literaturpreis 2025 macht der Roman, ausgehend von der Corona-Erkrankung seines Erzählers, die Ambivalenz des technischen Fortschritts zum Thema. Bei den Mitstreitern des Literarischen Quartetts kam der sprachlich und literarisch anspruchsvolle Roman – 39 Kommata auf der ersten Seite! – jedoch nicht so gut an.
Konträrer konnte der Wechsel nicht sein, als Stefan Anker danach Jakob Heins „Wie Grischa mit einer verwegenen Idee beinahe den Weltfrieden auslöste“ präsentierte. Der in der DDR spielende „Schelmenroman“ über den Jungsozialisten Grischa, der durch den staatlich kontrollierten Vertrieb von Cannabis eine sprudelnde Geldquelle für sein Land entdeckt, sorgte beim Publikum für teils herzhaftes Lachen.
Alles andere als lustig ging es danach in dem zuletzt vorgestellten Buch zu. Michaela Wiezorek präsentierte den Bestseller „Views“ von Marc-Uwe Kling, der KI-generierte Desinformation und gesellschaftliche Polarisierung anhand einer fingierten Gruppenvergewaltigung zum Thema macht. Auch hier fiel das Echo der Quartett-Mitglieder geteilt aus – wobei sich am Ende jedoch alle über die Relevanz des Themas und die beklemmende Realitätsnähe einig waren.
So hatte Moderator Anker am Anfang nicht zu viel versprochen: Es wurde kontrovers und engagiert diskutiert, und auch wenn man nicht in allen Punkten einer Meinung war, machte gerade die Vielfalt der Perspektiven den Austausch so spannend. Einig waren sich am Ende jedoch alle Mitwirkenden und auch das Publikum: Das war ein rundum gelungener literarischer Abend.
