Bewegend: Veranstaltung der Gesamtschule Otto Lilienthal Gedenktag zu Ehren der Opfer des Nationalsozialismus
Jedes Jahr am 27. Januar wird bundesweit der Opfer der nationalsozialistischen Schreckensherrschaft gedacht. Die Festveranstaltung in Königs Wusterhausen, zu der seit Jahren traditionell die Vorsitzende der Stadtverordnetenversammlung einlädt, wurde in diesem Jahr durch die Gesamtschule Otto Lilienthal ausgerichtet. In ihrer Begrüßungsrede betonte Laura Lazarus, Vorsitzende der Stadtverordnetenversammlung, wie wichtig es auch heute noch ist, die Erinnerung an die Gräueltaten des Nationalsozialismus wachzuhalten und für die Werte der Demokratie einzustehen. „In unserer Stadt ist kein Platz für Hass und Ausgrenzung. Wir alle müssen für die Würde und die Rechte des Menschen eintreten.“
Die Schülerinnen und Schüler der Gesamtschule Otto Lilienthal haben sich anlässlich des Tages zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus mit dem Thema aus verschiedenen Perspektiven auseinandergesetzt.
Fotos: Stadt Königs Wusterhausen
„33 ist nicht mehr lang hin“ – dieses Thema hatte die Gesamtschule Otto Lilienthal für die Gedenkveranstaltung gewählt. „Wir glauben, dass Geschichte nicht nur zurück, sondern auch nach vorn schaut“, erläuterte Schulleiter Erik Dorow die Ausrichtung der Veranstaltung.
Schülerinnen und Schüler der Jahrgänge 11, 12 und 13 hatten sich dabei auf die Spurensuche nach Gerechtigkeit begeben. Diese Suche dokumentierten sie eindrucksvoll in einer Ausstellung, in deren Mittelpunkt Frauen stehen, die im Nationalsozialismus Opfer von Gewalt, Zwangsarbeit und medizinischen Experimenten geworden sind. Schülerinnen und Schüler des 11. Jahrgangs führten die Besucher in Kleingruppen von Station zu Station. Begleitet wurden sie dabei von einem szenischen Lauftheater, das die Rolle der Täterinnen und Täter – im konkreten Fall dreier Wärterinnen des Konzentrationslagers Ravensbrück – näher beleuchtete.
Den fulminanten Abschluss des Abends bildete eine Performance des 13. Jahrgangs in der Aula. Beispielhaft an drei Generationen wurde hier gezeigt, wie früher, heute und in der Zukunft mit den Verbrechen der nationalsozialistischen Vergangenheit umgegangen werden sollte. Dabei stellten die Schülerinnen und Schüler die Frage nach der Verantwortung eines jeden Einzelnen – und riefen in Erinnerung: „33 ist schon lang her – aber gleichzeitig ist es auch nicht mehr lang hin“.
Kurze Spielszenen bezogen auch die Zuschauer ein und stellten sie vor die Frage: Wie würde ich mich verhalten?
Die Ausstellung rief durch Originalzitate die Erlebnisse und Erfahrungen der Opfer in Erinnerung.
Bürgermeisterin Michaela Wiezorek zeigte sich nach der Performance der Schüler sehr beeindruckt. Sie sagte: „Ich bin tief bewegt. Die Schülerinnen und Schüler haben sich so intensiv mit den Themen Schuld und Verantwortung beschäftigt, dass uns Zuschauern zwischenzeitlich der Atem stockte. Ihnen ist es gelungen, die Geschichte ins Hier und Jetzt zu holen und die Verantwortung jedes Einzelnen innerhalb des Gesamtkontextes spürbar zu machen. Durch die Einbeziehung der Täterperspektive machte der Abend deutlich, wie schnell Weghören, Wegsehen sowie Sprachlosigkeit die Masse so ergreifen kann, dass der Schritt zum Täter wie selbstverständlich erscheint.“ Auch andere Teilnehmende zeigten sich von der Darbietung der Gesamtschülerinnen und -schüler der Sekundarstufe II ergriffen und lobten die tiefgehende Bearbeitung des Themas. Diese Gedenkveranstaltung anlässlich des Tages zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus in Königs Wusterhausen bleibt in Erinnerung – und zwar nicht nur im Kopf, sondern auch im Herzen.
